Hintergrund

Vor rund 50 Jahren wurden die letzten europäischen Kolonien in Afrika in die Unabhängigkeit entlassen. Die Kolonialherrschaft ist Geschichte – aber das Erbe des Kolonialismus wirkt weiter: In den Köpfen der Menschen, in subtilen Abhängigkeiten, in Herrschaftsstrukturen und politischen Phänomenen.

Tansania hat fruchtbaren Boden und einen grossen Reichtum an Bodenschätzen (das größte Goldvorkommen der Welt, Diamanten, Kohle, Platin, Eisen, Mangan, Kupfer, Öl, Uran und Blei). Trotz des Reichtums an Bodenschätzen lebt ein grosser Teil der Bevölkerung Tansanias – vor allem in ländlichen Gebieten – in extremer Armut. Vom Reichtum der natürlichen Ressourcen Tansanias profitiert im gegenwärtigen Wirtschaftssystem vor allem der globale Norden.

Tansania war vor dem Ersten Weltkrieg (1885 – 1919) eine deutsche und nach dem Ersten Weltkrieg (1920 – 1961) eine britische Kolonie. Die Schweiz spielte eine subtilere, aber nicht weniger wirksame Rolle in der Kolonialgeschichte. Obwohl sie selbst keine eigenen Kolonien besass, hat auch sie eine koloniale Vergangenheit. Zwischen 1773 und 1830 wurden schätzungsweise 172.000 Menschen mit Hilfe von Schweizer Investoren versklavt und verschifft. Im heutigen Neokolonialismus ist die Schweiz einer der wichtigsten Orte für den Warenhandel. Zürich ist der weltweit grösste Handelsplatz für Gold, während Tansania der viertgrößte Goldproduzent der Welt ist.